Archiv für die Kategorie ‘Literatur’

Libyen

Mittwoch, 23. März 2011

Libyen (6,5 Mio. Einwohner) ist nach dem Sudan, Algerien und der Demokratischen Republik Kongo das viertgrößte Land des afrikanischen Kontinents, wobei 85 % der Landesfläche von der Sahara eingenommen wird. Libyen ist auch eines der wenigen Länder, in denen es keinen ständigen Fluss, sondern nur sogenannte Wadis gibt, zeitweilig austrocknende Flussläufe in Wüstengebieten, die nur nach starken Regenfällen vorübergehend Wasser führen.

Um sich nicht von Lebensmittelimporten unabhängig zu machen, sondern auch zu einem Agrarexportstaat zu werden, begann Libyen 1984 mit der systematischen Förderung der eiszeitlichen Süßwasservorkommen in der Sahara. Das Great-Man-Made-River-Projekt ist das bisher größte Süßwasserprojekt der Welt. In übermannsgroßen Rohren wird fossiles Grundwasser aus tief liegenden Speichergesteinen der Wüste in Richtung der libyschen Küste geleitet. Hiermit wird seit einigen Jahren die Hauptstadt Tripolis mit ihren 1,8 Mio. Einwohnern (seit 1996) und Benghasi sowie die gesamte Küstenregion mit Wasser versorgt. Die Pipeline verläuft parallel zu großen Teilen der Küste Libyens und transportiert täglich mehr als 6 Mio. m³ Trinkwasser. Die Wasser- und die damit verbundene Lebensqualität hat sich seitdem dort erheblich verbessert. Unstrittig ist, dass das GMMR-Projekt eine gewaltige Bildungs- und Infrastrukturmaßnahme darstellt und Libyens ökonomische Stabilität nach Versiegen der Ölquellen gewährleistet, wobei bis heute ungewiss ist, wie groß die unterirdischen Süßwasservorkommen sind und somit die Dauer und das Funktionieren des Projekts.

Muammar Abu Minyar al-Gaddafi, der in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, bereits in der Schule wegen seiner Aktivitäten und Reden gegen die Monarchie bekannt wurde und schließlich am 1. September 1969 König Idris durch einen Putsch stürzte, übernahm als Führer einer Militärjunta die Macht und wandelte in den Folgejahren das Königreich in einen sozialistischen Staat um (so verstaatlichte er beispielsweise alle Erdölgesellschaften). Bei der offiziell als Basisdemokratie betitelten Regierungsform handelt es sich de facto um eine Militärdiktatur, die seit 1969 von Gaddafi angeführt wird. 1979 legte er formell alle politischen Ämter nieder, blieb aber bestimmende politische Persönlichkeit und de facto Staatsoberhaupt in Libyen, wie heute noch zu sehen ist. Er trägt seither als offiziellen Titel das „Amt des Revolutionsführers“.

Tunesien

Dienstag, 22. März 2011

Tunesien ist das nördlichste Land Afrikas, dessen Bevölkerung von ca. 10 Mio. sich seit 1956 verdreifacht hat. Heutzutage hat Tunesien mit 1 % jedoch die niedrigste Geburtenrate in der arabischen Welt. In der Hauptstadt Tunis leben 2,3 Mio. Menschen. 98 % der Tunesier identifizieren sich kulturell mit den Arabern, wenngleich Studien belegen, dass sie aus ethnischer Sicht den Berbern und auch den Iberern näher stehen, während der genetische Anteil der Araber, die die Region im 7. und 8. Jahrhundert besiedelten, geringer ausfällt. Etwa 1 Mio. Tunesier leben im Ausland und haben wegen der hohen Geldsummen, die sie in die Heimat überweisen, erhebliche Bedeutung für die tunesische Wirtschaft.

Das Land war von 1881 an französisches Protektorat und wurde 1956 unabhängig. Laut Verfassung ist Tunesien eine Präsidialrepublik, die allerdings von zahlreichen Nicht-Regierungsorganisationen und Politikwissenschaftlern als autoritäres Regime bezeichnet wird. Nachdem sich der mittlerweile zu trauriger Berühmtheit gewordene Gemüsehändler Mohamed Bouazizi im Dezember 2010 selbst verbrannte, folgten Solidaritätskundgebungen im ganzen Land, die sich zu regimekritischen Kundgebungen ausweiteten. Forderungen nach Presse- und Meinungsfreiheit mischten sich mit Kritik an Korruption und Zensur. Diese sogenannte Jasminrevolution gipfelte Mitte Januar 2011 darin, dass der bisherige Präsident Ben Ali nach 23 Regierungsjahren dem öffentlichen Druck nachgab und fluchtartig das Land verließ.

Motiv der Unruhen war die Unzufriedenheit über die wirtschaftliche Lage großer Teile der Bevölkerung, insbesondere über die stark angestiegenen Lebensmittelpreise und Energiekosten, über die schlechten Zukunftsperspektiven der Jugend und über das jahrzehntelange autokratische und korrupte Regime. Mittlerweile wurden Neuwahlen angekündigt.

Algerien

Montag, 21. März 2011

Algerien ist nach dem Sudan und vor Saudi-Arabien das flächenmäßig zweitgrößte Land der arabischen Welt. Die 32 Mio. Algerier leben hauptsächlich in einem schmalen Saum zwischen der Mittelmeerküste und dem Atlasgebirge, wovon wiederum über die Hälfte in Städten lebt. Aufgrund fehlender Arbeitsmöglichkeiten und dem wachsenden Bevölkerungsdruck ist die Auswanderungsquote sehr hoch; schätzungsweise 2,3 Mio. Algerier leben im Ausland, davon über 1,5 Mio. in Frankreich, zu dessen Kolonialreich Algerien nach 1830 gehörte. Zu Unabhängigkeitsbewegungen kam es bereits 1945, woran auch die Tatsache nichts änderte, dass 1947 jeder Algerier automatisch die französische Staatsbürgerschaft erhielt. Die tatsächliche Unabhängigkeit erlangte Algerien jedoch erst 1962, nach einem acht Jahre andauernden Krieg. Gemäß der Verfassung von 1996 ist Algerien eine Präsidialrepublik mit einem alle fünf Jahre durch das Volk gewählten Staatsoberhaupt an der Spitze.

In der Hauptstadt Algier (2,2 Mio.), der größten Stadt und Namensgeberin des Landes, herrscht seit 2001 ein allgemeines Demonstrationsverbot. Die Pressefreiheit ist spürbar eingeschränkt, es herrscht eine Zensur. „Reporter ohne Grenzen“ bewertet Algerien im Press Freedom Index im Drittel der Staaten mit der geringsten Pressefreiheit.

Marokko

Freitag, 18. März 2011

Marokko, dessen eigene offizielle Staatsbezeichnung „Maghrebinisches Königreich“ lautet, steht mit ca. 32 Mio. Einwohnern an dritter Stelle der bevölkerungsreichsten Länder der arabischen Welt. Rund 20 % der Marokkaner sind arabischstämmig. Die Berber (etwa 80 % der Bevölkerung, davon knapp 60 % arabisierte Berber) sind heute zumeist sesshafte Bauern. Obwohl Marokko eine alte Stadtkultur besitzt, leben nur 57,4 % der Bevölkerung in Städten. Marokko hat neun Städte mit jeweils mehr als 500.000 Einwohnern, wovon die größte Casablanca (3,1 Mio.) ist. In der Hauptstadt Rabat leben 1,7 Mio. Menschen. Landwirtschaft und Bergbau sind die Stützen der marokkanischen Wirtschaft, wobei der Phosphatgewinnung eine besonders große Bedeutung zukommt (etwa 75 % des weltweit geförderten Phosphats stammen aus Marokko).  Marokko, das erst 1956 volle Unabhängigkeit von Spanien und Frankreich erreichte, ist eine konstitutionelle Monarchie, deren Staatsoberhaupt seit 1999 Mohammed VI ist.

Demokratische Arabische Republik Sahara

Donnerstag, 17. März 2011

Westsahara ist ein nicht souveränes Gebiet mit einer komplizierten politischen Lage, das aufgrund der fast ausschließlich arabischen Bevölkerung von 373.000 Menschen ebenfalls zur arabischen Welt gehört. Die Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) wurde während des Westsaharakonflikts 1976 von der Polisario ausgerufen, einer militärisch-politischen Organisation, die sozialistische Positionen vertritt. Die Polisario wurde im Mai 1973 gegründet; zeitgleich begann auch der bewaffnete Unabhängigkeitskampf gegen die bis 1975 bestehende Kolonie Spanisch-Sahara. Dieser Kampf wurde gegen Mauretanien und Marokko fortgesetzt, die die West-Sahara nach dem spanischen Abzug besetzt hatten. Nach einem Friedensvertrag mit Mauretanien 1979 ging die Auseinandersetzung mit Marokko bis zum Beginn des Waffenstillstandsabkommens 1991 weiter. Dem 1991 von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenstillstand folgte eine Volksabstimmung über die Zukunft des Landes. Trotz Vorbereitungen wurde sie jedoch bislang nicht durchgeführt.

Heute ist die Westsahara durch eine Grenzbefestigung, den Marokkanischen Wall, in zwei Zonen geteilt: Den Westen kontrolliert Marokko, Osten und Süden werden von der Polisario gehalten. Die „provisorische“ Hauptstadt der Polisario-Regierung der Demokratischen Arabischen Republik Sahara ist zurzeit Bir Lehlu im Nordosten.

Mauretanien

Mittwoch, 16. März 2011

Mauretanien liegt im Nordwesten des afrikanischen Kontinents und ist eines der ärmsten Länder der Welt, das unter Landflucht, unzureichender Infrastruktur in den Städten, schlechten Verkehrsverhältnissen und einer unsicheren politischen Lage leidet, die Investitionen aus dem Ausland entgegensteht. Die 3,2 Mio. Mauretanier setzen sich aus verschiedenen Ethnien, arabischen, berberischen und schwarzafrikanischen Völkergruppen zusammen, die sich stark miteinander vermischt haben, so dass Prozentangaben zu einzelnen Ethnien kaum möglich sind.  Eine Schätzung im Jahr 2010 geht von ca. 30 % weißen Mauren, 40 % dunkelhäutigen Mauren und 30 % Schwarzafrikanern aus.

In der Hauptstadt Nouakchott wohnen schätzungsweise über 1 Mio. Menschen, etwa die Hälfte davon in den Vorstadtvierteln, den sogenannten Kebbas, unter schwierigen Lebensbedingungen.

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Militärputschen. 2009 fanden das erste Mal seit dem letzten Staatsstreich im August 2008 wieder Präsidentschaftswahlen statt.

Die Sklaverei ist in Mauretanien seit 1980 offiziell abgeschafft, wird aber nach wie vor im ganzen Land praktiziert. Nach Schätzungen der Anti-Sklaverei-Organisation SOS Esclaves gibt es in Mauretanien 600.000 Sklaven.

Die arabische Welt – Teil III

Dienstag, 15. März 2011

Auch das Königreich Jordanien liegt teilweise auf der arabischen Halbinsel. Von den 6,3 Mio. Einwohnern leben etwa 79 % infolge einer hohen Landflucht in Städten. In der Hauptstadt und Finanzmetropole Amman leben gut 1 Mio. Menschen. Jordanier betrachten sich zu 99,2 % als Araber. Über 50 % der arabischen Bevölkerung stammen von den etwa 800.000 Palästinensern ab, die nach dem Palästinakrieg und dem Sechstagekrieg nach Jordanien geflohen sind. Die beiden größten Städte Jordaniens, Amman und Zarqa, haben palästinensische Bevölkerungsmehrheiten von 90 bis 99 %.

Nach der Verfassung von 1952 ist Jordanien eine konstitutionelle Monarchie der haschemitischen Dynastie. Der König ist Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Streitkräfte und ernennt den Ministerpräsidenten sowie den Ministerrat.

Die ohnehin seit Jahren in einer schweren Krise befindliche jordanische Wirtschaft (chronisch defizitäre Handelsbilanz, steigende Arbeitslosigkeit, fortschreitende Konkurswelle) leidet besonders unter den politischen Krisen in der Region. Der Handelssektor war schwer von den UN-Sanktionen über den Irak getroffen, da der Irak vor dem Golfkrieg zwei Fünftel der gesamten Handelsübersicht Jordaniens ausmachte. Der Tourismus macht ca. 10 % des Bruttoinlandsproduktes aus (Dienstleistungen insgesamt 72 %) und ist die zweitwichtigste Devisenquelle. Obwohl in Jordanien selbst seit über 30 Jahren Frieden herrscht, reagieren die Touristenströme sehr empfindlich auf die politischen Entwicklungen im Nahen Osten.

Jordaniens Außenpolitik ist seit Jahrzehnten am Westen orientiert. Das Königreich ist mit den USA verbündet und gehört zu deren offizieller Kategorie der wichtigsten Verbündeten außerhalb der NATO. Jordanien verfügt außerdem über ein Assoziierungsabkommen mit der  EU. Die Beziehung zu den USA nahm Schaden, als Jordanien seine Neutralität im Zweiten Golfkrieg bewahrte. Im Jahre 1994 unterzeichneten Jordanien und sein Nachbar Israel einen Friedensvertrag, der als Meilenstein im Nahostkonflikt gilt.

Wissenswertes zur arabischen Welt

Freitag, 04. März 2011

Dass Schuhsohlen in der arabischen Welt nur dann gezeigt werden, wenn man seine Missgunst gegenüber jemandem ausdrücken will, wissen wir spätestens, seitdem Bush Junior nur knapp einem Schuhwurf an den Kopf entkommen ist.  Auch KT zu Guttenberg hat vor Kurzem Schuhe von unten zu sehen bekommen, und zwar von deutschen Wissenschaftlern.

Aber ich habe noch ein paar interessante Tipps, die es im Umgang mit Arabern einzuhalten gilt. Wie so vieles in diesem Blog erhebt auch diese Liste keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit:

1) Bei privaten Einladungen bringt man der Gastgeberin kein Geschenk mit.

2) Im Privaträumen zieht man die Schuhe aus. Beim Sitzen zeigt man dem Gegenüber auf keinen Fall die Schuhsohlen.

3) Frauen werden weder mit Handschlag noch mit einer sonstigen Berührung begrüßt.

4) Einheimische (besonders Frauen) wollen nicht fotografiert werden, schon gar nicht ungefragt – aber diese Regel sollte man im Rest der Welt auch einhalten.

5) Nicht so wichtig für (die meisten) Besuche in der arabischen Welt, aber trotzdem wissenswert:  Gläubige Moslems werden in jungfräulicher Erde bestattet, also in Gräbern, in denen vorher noch keiner beerdigt wurde. Sie werden auf der rechten Seite und mit dem Gesicht nach Mekka in ein Leichtuch gelegt, in der Regel ohne Sarg.

Aus aktuellem Anlass

Donnerstag, 03. März 2011

Oman ist ein Sultanat am südöstlichen Zipfel der arabischen Halbinsel  am Arabischen Meer mit 2,6 Millionen Einwohnern, von denen ca. 1,8 Mio. Omanis sind. Nach Saudi-Arabien und dem Jemen ist der Oman das drittgrößte Land auf der arabischen Halbinsel. Auch hier spielt die Erdöl- und Erdgasförderung eine wichtige Rolle, aber der seit rund 40 Jahren herrschende Sultan Kabus Ibn Saïd versucht, die Wirtschaft zu diversifizieren und sich weniger abhängig von Erdölexporten zu machen.  Erst im Oktober 2003 wurde das allgemeine Wahlrecht ab 21 eingeführt. In der Hauptstadt Muscat am Persischen Golf leben gut 1 Mio. Menschen. Seit der Antike ist die Straße von Hormus, auf deren südlicher Seite der Oman liegt, eine wichtige Schifffahrtsstraße, durch die der gesamte Schiffsverkehr von und zu den Ölhäfen Kuwaits, Bahrains, des Iraks, der Vereinigten Arabischen Emirate und des Irans verläuft, dazu der größte Teil des saudi-arabischen Verkehrs. Da eine Sperre der Straße die Lieferungen von bedeutenden Teilen der Erdölgebiete im Nahen Osten blockieren würde, ist sie von weltweiter strategischer Bedeutung (ca. ein Viertel der globalen Ölversorgung).

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind eine Föderation von sieben Emiraten (Abu Dhabi, Adschman, Dubai, Fudschaira, Ra´s al-Chaima, Schardscha und Umm al-Qaiqain) im Südosten der arabischen Halbinsel mit insgesamt 4,7 Mio. Einwohnern, die bei ihrer Gründung 1971 gerade mal 180.000 Einwohner zählte. Ca. 3,8 Mio. Menschen sind als Arbeitsmigranten registriert. Die Staatsform wird vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik als „patriarchalisches Präsidialsystem mit traditionellen Konsultationsmechanismen“ definiert. Es handelt sich um eine Kombination aus traditionellen und modernen Elementen, wobei die Regierung versucht, einen starken Modernisierungskurs mit der Erhaltung der islamischen und regionalen Traditionen zu konsolidieren. Die Macht liegt jeweils bei einem der sieben Emire, die jeweils das höchste Amt eines Emirats bekleiden. Die einzelnen Emirate, die jeweils nach ihrer Hauptstadt benannt sind, genießen einen gewissen Grad an Autonomie. Die Thronfolge ist erblich. Die VAE besitzen die siebtgrößten Ölvorkommen der Welt, sind eine der am weitesten entwickelten Volkswirtschaften des Nahen Ostens und eines der reichsten „Länder“ der Welt.

Die Hauptstadt der VAE ist Abu Dhabi mit 860.000 Einwohnern, als zweitgrößte Stadt des Landes (nach Dubai) auch ein wichtiges Industrie- und Kulturzentrum. Bis in die 1960er Jahre bestand die bis dahin kleine Inselstadt noch aus einfachen Bauten, teilweise ohne Elektrizität und Kanalisation. Der Beginn der Erdölförderung änderte diese Umstände schlagartig; Abu Dhabi wurde ab den 1970er Jahren mit einem schachbrettartigen Masterplan zu einer modernen Metropole ausgebaut. Aufgrund des schnellen Wachstums der Stadt weicht  man nun auf künstliche Inseln und das Küstenvorland aus.

Ein neues Städtebauprojekt aus dem Jahr 2006 sieht die Gründung einer völlig neuen Stadt ca. 30 km östlich von Abu-Dhabi vor, Masdar City, die 2025 bezugsfertig sein soll. Dabei handelt es sich um die erste „CO2-neutrale Wissenschaftsstadt“, die vollständig durch erneuerbare Energien versorgt werden soll. Durch ein eigenes Solarkraftwerk und Windkrafträder soll Masdar City weitgehend eigenständig werden.

Teile des Irak, einem Land mit 29,6 Mio. Einwohnern, liegen auf der arabischen Halbinsel. Etwa 67 % der Einwohner leben in Städten, davon 6,2 Mio. Menschen in der Hauptstadt Bagdad. Das zu den Maschrek-Staaten zählende Land ist seit dem Ende des Irak-Kriegs 2003 eine parlamentarische Demokratie, befindet sich aber momentan noch unter militärischer Besatzung durch Truppen einer von den Vereinigten Staaten geführten internationalen Koalition. 2009 verließen die Besatzungstruppen die Städte, bis 2012 sollen sie komplett abgezogen werden. Die Übergangsverfassung regelt die Geschicke des Staates seit der Machtübergabe am 28. Juni 2004.

Der Irak ist laut Verfassungstext eine multi-ethnische und multi-religiöse parlamentarische Republik, die sich zur Demokratie, zum Pluralismus und zum Föderalismus bekennt. Im Text verankert sind die Menschen-, Freiheits- und Bürgerrechte, das Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit sowie die Rechte ethnischer und religiöser Minderheiten. Politische Macht geht im Rahmen von freien, gleichen und unmittelbaren Wahlen ausschließlich vom Volk aus. Die zweiten Parlamentswahlen seit Inkrafttreten der neuen Verfassung fanden am 7. März 2010 statt.

Verglichen mit anderen Nahost-Staaten verfügt der Irak über reichlich Wasser; so ist auch die Landwirtschaft ein bedeutender Wirtschaftszweig, in dem rund 40 % aller irakischen Arbeitnehmer beschäftigt sind. Der wichtigste Wirtschaftszweig ist jedoch die Erdölförderung. Im Juni und Dezember 2010 wurden westlichen Ölkonzernen Beteiligungen an einigen irakischen Feldern gewährt. Die Beteiligungen sehen feste Zahlungen pro Barrel vor. Sollten die Planungen eingehalten werden, steigt die Förderung des Iraks von 2,5 Mio. bopd im Jahr 2009 auf 12 Mio. bopd im Jahr 2016. Damit wäre der Irak größter Ölproduzent der Welt.

Aus aktuellem Anlass

Mittwoch, 02. März 2011

Aus aktuellem Anlass möchte ich mich im März etwas eingehender mit der arabischen Welt auseinandersetzen. Dazu gehört zunächst eine Definition des Begriffs „arabische Welt“, die nicht ganz einfach ist. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Regionen in Nordafrika und der arabischen Halbinsel, die geologisch zu Afrika gehört. Er beinhaltet Staaten mit einer mehrheitlich arabischen Kultur als Gemeinsamkeit. Es lassen sich mehrere Kriterien anwenden, um die Zugehörigkeit zur arabischen Welt zu definieren: Die Wichtigkeit der arabischen Sprache, des Islam und die Mitgliedschaft in der Arabischen Liga.

 Nach diesen Kriterien entspricht die Arabische Welt einer Gruppe aus 25 Staaten von Mauretanien im Westen bis zum Sultanat Oman im Osten. Die Ausbreitung des Arabischen ist weitgehend auf die Geschichte der Ausbreitung des Islam im 7. Jahrhundert zurückzuführen. Allerdings ist das sprachliche Kriterium nicht ausreichend, um die Arabische Welt zu betrachten. Einige Länder, in denen Arabisch gesprochen wird, gelten weiterhin in der Regel nicht als Teil der „Arabischen Welt“, darunter Israel, Somalia, Dschibuti, Eritrea und der Tschad.

Beginnen wollen wir mit denjenigen Staaten, die auf der arabischen Halbinsel liegen: 

Der Jemen: flächenmäßig anderthalb Mal so groß wie Deutschland; liegt im Süden der arabischen Halbinsel; zählt ca. 25 Mio. Einwohner. Knapp 10% der Jemeniten wohnen in der Hauptstadt Sanaa (2,1 Mio. Einwohner), die bereits im 1. Jahrhundert zum ersten Mal namentlich erwähnt wurde.  Der Jemen ist gemäß der Verfassung von 1994, zuletzt geändert 2001, eine Islamische Präsidialrepublik mit  Parlament und Staatsoberhaupt (Präsident Salih ist seit drei Jahrzehnten an der Macht).

Saudi-Arabien: der größte Staat auf der arabischen Halbinsel; 27 Mio. Einwohner. In der Hauptstadt Riad, die relativ in der Mitte des Landes liegt, wohnen 4,6 Mio. Menschen. Riad ist das wirtschaftliche, administrative und kulturelle Zentrum des Landes, das zu den letzten fünf absoluten Monarchien der Welt zählt (neben Brunei, Vatikanstadt, Katar und Swaziland). Somit ist der Monarch gleichzeitig Staatsoberhaupt, Regierungschef und Kustos der beiden heiligen (und wichtigsten) Städte des Islam, Mekka und Medina.

Katar: liegt im Nordosten der Arabischen Halbinsel auf einer 180 km langen und 80 km breiten Halbinsel, die im Süden an Saudi-Arabien grenzt und ansonsten vom Persischen Golf umschlossen wird. Das Emirat zählt insgesamt 1,7 Mio. Einwohner, von denen 70 % Ausländer sind (die Hälfte davon indischer bzw. pakistanischer Abstammung).  In der Hauptstadt Doha wohnen ca. 520.000 Menschen. Das auffälligste Merkmal dieses Zwergstaates ist wohl, dass das Land mit einem der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt über ein sehr gutes soziales Fürsorgesystem verfügt (Hilfsbedürftige erhalten feste monatliche Bezüge). Die medizinische Versorgung ist gut und steht kostenlos zur Verfügung. Es gibt keine allgemeine Schulpflicht, der Unterricht ist aber auf allen Ausbildungsstufen kostenlos.

Das Emirat Kuweit liegt am Persischen Golf und grenzt an den Irak und an Saudi-Arabien. Es ist 1,5 Mal so groß wie das Emirat Katar und zählt ca. 2,7 Mio. Einwohner. Wie in Katar ist auch hier die Ausländerquote mit rund 60 % ausgesprochen hoch und setzt sich hauptsächlich aus Iranern, Indern und Pakistani zusammen. Die Hauptstadt Kuweit City ist mir ihren 63.000 Einwohnern lediglich die 18. größte Stadt des Landes. Den großen Reichtum bescherte Kuweit das Erdöl, das seit 1946 gefördert wird. Kuweit verfügt über das zweitgrößte Erdölfeld der Welt. Die kuweitischen Saatsbürger sind durch ein umfassendes Sozialversicherungssystem abgesichert und haben Zugang zu einem der besten Gesundheitssysteme der Welt, das ebenso wie die schulische Ausbildung kostenlos ist.

Seit 1997 ist Kuweit eine konstitutionelle Erbmonarchie, angeführt vom Emir, und verfügt seit jenem Zeitpunkt auch über ein Parlament, war aber bis 1991 noch eine absolute Monarchie. Eine enge Sicherheitspartnerschaft unterhält das Emirat zu den Vereinigten Staaten, die als Garant für die staatliche Unabhängigkeit Kuweits fungieren.